Comment on a Video
I wrote a comment on a video that was published by one of Austria’s Newspapers. I sent the text to the Authors as a comment. Video and Comment are in German.
You can find the video here.
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Sehr geehrter Herr Klenk,
ich habe eben Ihr Video zum Thema “Wie lange sperren wir die Alten ein?” gesehen. Wenn ich mich richtig erinnere wurde der Lesebrief von der Frau bereits in einem Maily oder im Talk im Hangar 7 erwähnt.
Ich fahre seit einigen Jahren als freiwilliger Rettungssanitäter beim Roten Kreuz. Auch seit beginn der Corona Krise habe ich meine Dienste eher erhöht, als verringert.
Leider kann ich die Aussage die Sie im Video treffen bzw. die Frau K. schildert nur bestätigen.
In den Pflegeanstalten ist es so, das man als Rettungsmannschaft ankommt, läutet und erstmal darauf wartet das jemand aufmacht. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Pflegepersonal wird man entweder zum Patienten gebracht, oder der Patient wird zu einem gebracht.
Türen sind geschlossen, Bewohner müssen in ihren Zimmern bleiben.
Ich kann aber nur für die Steiermark bzw. den Bereich Hartberg sprechen, da ich hier meine Dienste verrichte.
An dieser Stelle möchte ich auch gerne an das Thema Kollateralschäden einhacken, das ja auch im Hangar 7 Talk erwähnt wurde.
Wie Sie sicher wissen war das Hartberg LKH ja von Anfang an durch einen Ausbruch direkt betroffen. Das LKH wurde durch diesen Ausbruch über mehrere Wochen geschlossen. Glücklicherweise haben wir in Österreich ein gutes Gesundheitssystem, aber die Schließung einer kompletten Anstalt führt unweigerlich zu weiteren Problemen.
Krankentransporte und Notfalleinsätze wurden schlagartig verlängert. Dies lässt sich geographisch relativ leicht erklären. Geht man von Hartberg als Notfallsort aus, ergeben sich folgende Distanzen und Fahrtzeiten zu den Umliegenden Krankenhäusern (basierend auf Google Maps und eigener Erfahrung):
- Oberwart: 20km, über die Autobahn in gut 15 Minuten zu erreichbar
- Vorau: 27km, Google meint hier 25 Minuten, wenn man aber Patientenschonend fahren will ergeben sich aufgrund der Kurve ca. 30 bis 40 Minuten
- Fürstenfeld: 39km, ca. 35 bis 40 Minuten
- Feldbach: 52km, je nach weg mindestens 40 Minuten bis zu einer Stunde
- Graz (Uni Klinik): 55km (über B54, wird normalerweise so gefahren da A2 “zu viele Mehrkilometer”), ca. 45 Minuten bis zu einer Stunde
Das sich diese längeren Fahrtzeiten negativ auf die Einsatzdauer auswirkt, versteht sich denke ich von alleine.
Anstelle eines Einsatzes der vielleicht in einer halben Stunde abgewickelt werden kann, ergibt sich ein Einsatz von ein einhalb Stunden, weil ein entferntes KH angefahren werden muss.
Mittlerweile ist das LKH Hartberg zwar nicht mehr geschlossen, aber aufgrund der erhöhten Corona Zahlen im Bereich Hartberg ergibt sich folgendes Problem, das ich bereits selbst erlebt habe:
Ich war mit einem Dialyse Patienten unterwegs zu einer Dialyse Station in Feldbach. Ein weiteres Fahrzeug brachte einen weiteren Patienten nach Feldbach (Es gibt derzeit eine Anweisung des Landesverbandes des RK Steiermark das Patienten nur mehr einzeln Transportiert werden dürfen). Ein Fahrzeug war mit einem COVID-19 verdacht unterwegs in das LKH Graz West (die “Sammelstelle” in der Steiermark).
In Hartberg verblieb einzig das NEF (Notarzt Einsatz Fahrzeug).
Es kam wie es kommen musste, ein Notfall ereignete sich im Stadtgebiet von Hartberg. Das NEF konnte ausrücken und auch mit einer Behandlung beginnen, ein RTW (Rettungswagen) zum Abtransport des Patienten war aber nicht sofort verfügbar.
Leider weis ich weder wie “dringend” oder Lebensbedrohlich der Einsatz war, bzw. weis ich auch nicht wie lange die NEF Mannschaft vor Ort auf einen RTW warten musste. Von der Konstellation her aber sicher einige Minuten.
Generell wirft dies aber ein Problem auf, angenommen auch das NEF ist unterwegs und es ist nicht möglich den Notfall abzuhandeln. Patienten könnten versterben. Grundsätzlich auch schon ein Problem das es vor Corona gab, wenn die Kapazitäten verbraucht sind, können Menschen versterben.
Durch Corona wurde das Problem aber noch verstärkt. Gäbe es die Richtlinie der “Einzeltransporte” nicht, wäre vielleicht ein RTW in Hartberg verfügbar gewesen.
Kritisch zu Betrachten ist an dieser stelle auch der Rückgang der Herzinfarktraten. Ich bezweifle ehrlich das die Rate wirklich zurückgegangen ist. Ja, Menschen haben vielleicht durch die mehr Freizeit weniger Stress. Aber dafür sind genug zu Hause, die ihren Job verloren haben. Ich glaube kaum das diese jetzt weniger Stress als vorher haben.
Die Leute trauen sich einfach weniger in das Krankenhaus. Sich per Rettungsdienst in ein KH einliefern zu lassen erfüllt die ältere “Zielgruppe” ja sowieso schon auf unbehagen.
Folgendes habe sich selbst schon von Patienten gehört, bzw. habe ich es von Kollegen gesagt bekommen (sinngemäß Zitiert):
- “Wenn ich die Rettung rufe werde ich sicher Infiziert”
- “Die Krankenhäuser sind sowieso überlastet, ich will da nicht noch extra arbeit schaffen”
- “Im Spital stecke ich mich sicher mit dem Coronavirus an”.
Begründet oder nicht, Menschen haben solche Ängste. Wieviele sich von der Angst übermannen lassen und dadurch nicht ins Krankenhaus gehen kann vermutlich nicht einmal geschätzt werden.
Eigentlich wollte ich garnicht so viel schreiben, aber das hat sich halt so ergeben. Gerne dürfen Sie den Text verwenden, ich würde Sie aber bitten mich nicht Namentlich zu erwähnen. Es gibt im RK Steiermark nur einen Philipp Haidenbauer, da könnte selbst ein Philipp H. in einem Artikel auffallen. :)
Ich würde mich sehr über eine Antwort von Ihnen freuen. Gerne stehe ich auch für Fragen zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen,
Philipp Haidenbauer